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Von Richard Pryce
CEO - QBE European Operations

Die Versicherungsbranche ist mit der Gesamtwirtschaft schon immer eng verbunden gewesen. Doch in Zukunft sitzen wir aufgrund der makroökonomischen Entwicklungen noch viel mehr in ein und demselben Boot.

Die Wachstumsaussichten der Wirtschaft haben sich mit der Finanzkrise weltweit verschlechtert, im selben Zeitraum haben wir auch den am längsten andauernden weichen Markt in der Geschichte erlebt. Nichtsdestotrotz ist das für die Versicherungsbranche mehr als ein herkömmlicher Marktzyklus. Auch wenn es immer ein Auf und Ab gibt, erleben wir momentan eher einen säkularen Wandel in der Dynamik des Marktes. Wir müssen unser Unternehmen durch diese Zeit hindurch steuern, um sicherzustellen, dass wir relevant bleiben für die Welt, in der wir tätig sind, für die Kunden, die wir unterstützten und nicht zuletzt für die Menschen, die für uns arbeiten.

Die Bilanz unserer Branche ist im Ganzen betrachtet nicht optimal. Einige unserer Arbeitsprozesse stammen aus dem 20. Jahrhundert, manche sind sogar noch althergebrachter – papierbasiert und arbeitsaufwändig. Wir müssen hart daran arbeiten, dass unsere überholten Arbeitsabläufe nicht zum Wettbewerbsnachteil werden.

Wir müssen deutlich innovativer werden – sowohl bei der Frage was wir versichern als auch wie wir es versichern. Wir haben es meiner Ansicht nach – zumindest in einigen Fällen – versäumt mit der Risikoentwicklung mitzuhalten, der sich unsere Kunden in ihren Unternehmen gegenüber sehen. Viele dieser Risiken sind nicht greifbar und schwer zu messen. Zudem haben wir einfach zu wenige neue Produkte auf den Markt gebracht. Einige entgegnen jetzt vielleicht, dass uns die gesetzlichen Rahmenbedingungen einschränken und ein Umfeld schaffen, in dem das Versichern von Risiken, die wir nur schwer quantifizieren können, nicht gerade gefördert wird. Das jedoch würde ich nicht unterschreiben und darauf können wir uns auch nicht beschränken, wenn wir uns nicht in die Gefahr begeben wollen, uns selbst für weniger relevant zu erklären.

Die nächste Generation

Es gibt jedoch eine weitere soziale Dimension, die über die rein ökonomische Betrachtung hinausgeht, wo wir ebenfalls Gefahr laufen an Bedeutung zu verlieren: Die Menschen, die für uns arbeiten werden und jene, mit denen wir zusammenarbeiten werden. Wenn wir uns nicht der Herausforderung stellen, eine neue Generation zu motivieren und aufzubauen, wird sich das direkt auf den zukünftigen Erfolg all unserer Geschäftsbereiche auswirken.

Den größten Anteil der Beschäftigen in Großbritannien machen bereits die sogenannten Millennials aus: die Generation, die nach dem Jahr 2000 die Schule beendet hat. Bereits 2025 wird diese Generation rund drei Viertel aller Arbeitnehmer und erwachsenen Verbraucher stellen. Zudem verändern sich die Rollen und die Art und Weise, wie diese ausgeführt werden. Viele Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert und Arbeitsplätze immer unsicherer. Es wird davon ausgegangen, dass in weniger als fünf Jahren 50 Prozent der Beschäftigten selbstständig tätig sein werden.

Die Mitarbeiterentwicklung in der Versicherungsbranche ist statisch geblieben, während sich das Versicherungsgeschäft und die Anforderungen, denen wir uns gegenüber sehen, signifikant verändert haben. Wir suchen noch immer an den selben Stellen nach Fähigkeiten und Erfahrungen wie vor fünf Jahren. Dabei müssen wir unsere analytischen Kapazitäten viel stärker ausbauen und die Einstellung von Wissenschaftlern, Statistikern und Fachleuten aus anderen Fachrichtungen forcieren als jenen, nach denen wir bislang Ausschau gehalten haben. Selbst Sprachkenntnisse sind heute gefragter denn je und wir werden auf diese noch viel mehr angewiesen sein, wenn wir nicht mehr Teil der Europäischen Union sind.

Doch es reicht nicht mehr, die Menschen einzustellen, die wir brauchen. Vielmehr müssen wir sie aufbauen, weiterentwickeln und fortlaufend motivieren. Das bedeutet, dass wir unsere Arbeitsplätze und unsere Arbeitsabläufe umkrempeln müssen: Weg von starren Strukturen und dem Festhalten an vorgeschriebenen Prozessen hin zu mehr Kreativität, Selbstdisziplin und Verantwortlichkeit. Weg von Desktop-Technologien und hin zu einer vollständig mobilen Kommunikation und Tools, die die Zusammenarbeit fördern.

Nur wenn wir mit unseren Kunden eng zusammenarbeiten, können wir deren eigene Innovationen unterstützen. Hören wir unseren Kunden aufmerksam zu, um zu verstehen, was sie brauchen und diesen Anforderungen gerecht zu werden – das ist für unseren Erfolg unerlässlich. Dies alles ist nicht besonders originell, aber deswegen ist es nicht weniger bedeutsam für uns, daran so hartnäckig wie nur möglich zu arbeiten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht in InsurancePOST